Die „Denti della Vecchia“ im Tessin waren das Ziel des Alpenclubs Pfungen auf dieser erlebnisreichen Wanderung im Juni. Ein wunderschönes Bergwanderwochenende mit zwei Tagesetappen erwartete uns. Bei einer Anreise von rund drei Stunden hat sich die Gruppe schon früh auf den Weg gemacht, um diese beiden Tage gut nutzen zu können. So ging es für die meisten gegen 7:00 Uhr in Pfungen los. Die letzten beiden Teilnehmer kamen in Zürich dazu und damit waren wir komplett.

Wir, das sind auf dieser Tour Irene & Kurt, Dagmar & Johannes, Roman, Martin und Daniel. Bei strahlendem Sonnenschein brachte uns die SBB gut durch den Tunnel ins Tessin nach Lugano. Nach einer kurzen Busfahrt nach Tesserete waren wir am Startpunkt unserer Wanderung. Dort angekommen zeigt sich aber das, was wir schon erwarteten: Die Wettervorhersage für das Wochenende war nicht allzu gut. Die Sonne vom Morgen war einer feuchtwarmen Luft gewichen, mit vielen Wolken und vor allem viel Dunst. Für den ersten Tag sollte das auch so bleiben.

Überhaupt war diese Wanderung für eine Tour in den Alpen eher untypisch. Der erste Teil brachte uns durch dicht bewachsene Flusstäler. Zusammen mit den schwülwarmen 27°C wähnten sich einige von uns eher in tropischen Gefilden als in den Alpen. Nach kurzer Zeit erreichten wir das erste Highlight der Tour, den Ort Sonvico, ein wunderschön restauriertes und liebevoll gepflegtes Tessiner Dorf. Ab da waren die Denti unsere ständigen Begleiter auf dem Weg nach oben. Ein kurzer Regenschauer am Nachmittag brachte eine durchaus angenehme Abkühlung. Der Aufstieg war zwar technisch nicht schwierig, aber bei dem Wetter für alle sehr schweisstreibend.

Nach insgesamt rund 1000 Hm hinauf und etwa 200 Hm runter kamen wir nach fast fünf Stunden auf die Capanna Pairolo, wo uns ein kühles Bier oder Panasch erwartete und wir die Sportlerinnen und Sportler des „Scenic Trail 2024“ – Laufs bewundern durften. Denn just an diesem Wochenende fand der jährliche Berglauf in Lugano statt und unsere Hütte war einer der Stationen auf den längeren Etappen über >50km bzw. >100km. Bis tief in die Nacht kamen die Läuferinnen an der Hütte vorbei und wurden versorgt. Wir jedoch waren froh am Nachmittag doch noch ein kleines bisschen Aussicht ins Tal genießen und die Füße hochlegen zu können.

Am Sonntag konnten wir für Hüttenverhältnisse fast ausschlafen. Erst kurz vor 9 Uhr brachen wir zu unserer zweiten Etappe auf, die uns im Prinzip den ganzen Tag den Grat entlang der Denti und über den Monte Boglia zum Monte Brè brachte. Und entgegen der Wettervorhersage war es sogar recht freundlich, bisweilen sogar sonnig. So hatten wir den gesamten Tag über schöne Ausblicke zu beiden Seiten des Grats, runter zu den Seen oder hinauf zum Hauptkamm. Die Denti waren in der ersten Hälfte dominierend. Zwischen Wald und steil aufragenden Felsen führte uns der Weg immer tiefer hinein in diese sehr besondere Landschaft. Für viele von uns war das etwas Neues.

In der Alpe Bolla gönnten wir uns eine kurze Mittagspause bevor wir uns dann an den Aufstieg zum Monte Boglia gemacht haben, mit 1516m der höchste Punkt unserer Wanderung. Der Ausblick von dort oben war fantastisch. Berge und Seen in Kombination bilden eine eindrucksvolle Kulisse. Und wie immer im Tessin lassen Vegetation und Sonne sofort Italien-Stimmung aufkommen und alle waren bei guter Laune oben am Berg.

Im Westen über dem Lago Maggiore braute sich jedoch am Nachmittag langsam, aber sicher ein Gewitter zusammen, so dass wir zügig abstiegen. Die letzten 30 Minuten unserer Tour wurden wir schon von konstantem Donnergrollen begleitet. Aber das Wetter war nachsichtig, und der Regen kam erst nach Ende der rund sechsstündigen Tour. Obschon es nur am Grad entlang ging kamen am Ende noch mal 750 Hm Aufstieg und mehr als 1150 Hm Abstieg zusammen.

Die letzte Etappe hinab ging es mit der historischen Zahnrad-Seilbahn Monte Brè. Und anschließend den gesamten Weg retour nach Hause. Zwei lange, aber eindrucksvolle Tage lagen hinter aus und wieder einmal zeigte sich zweierlei: Das Wetter ist oft besser als die Vorhersage. Und das Tessin ist immer eine Tour wert.

Ein grosses Dankeschön geht an Johannes für die Organisation und Planung dieser Tour. Es hat uns allen grossen Spass gemacht.

Kim Daniel Hinrichs