Hochtour Wildstrubel

Tag 1

Tourenleiter Johannes begrüsst am Bahnhof 4 Teilnehmer, weitere 4 stossen in Zürich dazu. Via Bern geht die Reise nach Kandersteg und anschliessend mit der Luftseilbahn zum Ausgangspunkt Sunnbüel. Einsetzender Regen animiert uns zu einem, bei aktiven Berggängern eher verpönten Startkaffee. Bald zeigt der Wetterradar oder ein Blick aus dem Fenster, dass es aufhellt und wir starten unseren Zustieg zur Lämmerenhütte.

Mehrere 3000er säumen den Weg, markant vor allem der Altels (3630m) mit seinem pyramidenförmigen Gipfel und der riesigen, gleichmässig abfallenden Flanke. Am Berghotel Schwarenbach vorbei erreichen wir den Daubensee. In einer windgeschützten Mulde geniessen wir bei nun strahlendem Sonnenschein unser Picknick.

Johannes rät aber bald zum Aufbruch, da sich die Wetterlage nächstens ändern könnte. Am Gemmipass vorbei geht es nun über den Lämmerenboden, wo sich Bergbäche durch eine grosse Kiesfläche schlängeln. Und er hatte recht! Beim Schlussaufstieg wird es nochmals ziemlich nass.

Wir geniessen den gemeinsamen Hüttenabend und besprechen den Folgetag mit dem Aufstieg zum Wildstrubel und der Überquerung des riesigen Plateaugletschers “Plaine morte”. Die Wetteraussichten sind wiederum unsicher, vor allem für den Nachmittag, weshalb Johannes möglichst früh starten möchte.

Tag 2

Der virtuelle Hahn kräht um Punkt 4 Uhr. Wie geplant verlassen wir um 5.15h im Lichte der Stirnlampen die Hütte, das „Gstältli“ schon um die Hüfte. Wir verabschieden uns von Martin, der noch an den Nachwehen einer Krankheit leidet und deshalb entscheidet, die Tour abzubrechen.

Über Geröll führt der Weg nun stetig aufwärts. Nur ein zu überquerender, tosender Bach macht uns etwas Sorgen. Unser Leiter erstellt uns aber mit ein paar grossen Steinbrocken eine „Notbrücke“, welche mit der nötigen Vorsicht von allen trockenen Fusses überquert wird. Trotz bewölktem Himmel ist die Sicht noch gut und ermöglicht Weitblicke in die Walliser Bergwelt, Bald erreichen wir den auch hier immer kleiner werdenden Gletscher. Nun wird angeseilt und die Steigeisen montiert. In 2 Seilschaften steigen wir gemächlich in Richtung der Gipfel. Der Wildstrubel besteht nämlich aus 3 Spitzen, dem Grossstrubel (3242m), dem Mittelgipfel (3243m) und dem Wildstrubel (3244m). Bei sich nun schnell verdichtendem Nebel steuert Johannes mit Präzision zuerst den Mittelgipfel und kurze Zeit später den Hauptgipfel an. Weitblicke sind leider nicht möglich, ein paar Aufhellungen ermöglichen wenigstens die Aussicht auf die Umgebung. Nun folgt der recht steile und etwas rutschige Abstieg zur Plaine morte. Bald wird der Blick frei auf diese gewaltige, mehrere km2 grosse Eisfläche auf einer Höhe zwischen 2600 und 2700m. Bei diesen Dimensionen verliert man etwas das Gefühl für Distanzen, weshalb der Weg zur Wildstrubelhütte viel weiter und strenger als erwartet ist. Wiederum verbringen wir einen schönen Hüttenabend mit guter Verpflegung, spielen und lesen.

Tag 3

Da für den Abschlusstag nur noch der Abstieg zur Iffigenalp (ca. 3 h) geplant ist, entscheiden wir uns fürs „Langschläfer Frühstück“, welches bis spätestens um 7h möglich ist. Vorbei an wunderschönen Felsformationen, Wasserfällen und Blumenwiesen, vertilgen wir die letzten 1200Hm. Die harten und coolen nehmen noch ein erfrischendes Bad in einem Bergsee, die andern gönnen ihren Füssen wenigstens eine verdiente Abkühlung. Da der Bus erst um 14h fährt, folgen wir dem Vorschlag, noch ca. eine Stunde weiter zum berühmten Iffigfall zu wandern und dort den Bus nach Lenk zu besteigen. Trotz etwas wechselhaftem Wetter erlebten wir eine eindrückliche und zum Glück unfallfreie Hochtour. Vielen Dank allen, besonders unserem Tourenleiter Johannes.

Urs Domeisen