Zurzeit pausiert die Hitzeperiode und bei angenehmen Temperaturen reisen acht Alpenclübler am Sonntag früh Richtung Bündnerland. Die Bahnstrecke zwischen Illanz und Reichenau führt durch die wildromantische Rheinschlucht, mit seiner einzigartigen Naturlandschaft und den weissen Steilwänden sowie imposanten Felstürme. In Tavanasa bringt uns das Postauto zum ca. 500 m höher gelegenen Bergdorf Brigels.
Von hier startet unsere Wanderung gemütlich ansteigend dem rauschenden Flembach entlang nach Chischarolas. An den Hängen und am Wegrand blüht vielseitig und farbenfroh die schöne Bergflora. Gegen Westen des Wanderweges gedeiht der kleine, aber prächtige Fichtenurwald Scatle, der seit Menschengedenken nie bewirtschaftet oder gerodet wurde. Die Gemeinde Brigels hat beschlossen, den Wald weiterhin in seinem Urzustand zu belassen.
Nach einer kurzen Trinkpause verlassen wir den Flembach und steigen hoch zur Alp Nova. Zu unserer Überraschung fallen kurz vor der Alp Nova die ersten Regentropfen. Kaum die Regenmontur angezogen und weitergewandert winkt der nette Bewohner der Alp Nova und gewährt uns Einlass in seine heimelige, kleine Alphütte. Immerhin ist sie ausgestattet mit einer Küche, einem Bettsofa, Tisch und Stühle sowie dahinter in der Nische ein Bett, daneben eine Toiletten-Kammer. Am Balken sind Bilder von seinen Enkeln angeheftet. Der Besuch beim Alpöhi dauert nicht lange, den kaum eingetreten hat es aufgehört, zu regnen und die Sonne zeigt sich wieder zwischen der Bewölkung.
Ein Trio beschliesst, den kurzen Abstecher über die Alp Nova Sura zum Aussichtspunkt Grap Cavigliauna zu wandern. Der Rest folgt dem Bergweg direkt zum Val Frisal. Vom Aussichtspunkt wird nicht nur der Blick auf die imposante Schwemmebene des Val Frisals und die Dreitausender Brigelser Hörner, Bifertenstock und Piz Frisal mit den schwindenden Restgletschern geboten, sondern auch rundum, wenn da die Wolken nicht wären!
Die Mittagspause findet selbstverständlich im wunderschönen Hochtal Val Frisal statt. Diverse Gletscherwasserläufe schlängeln durch das Tal und bilden moorige und versandete Flächen. Blühende Alpenrosen, Knabenkraut, Arnika etc. schmücken die Hänge sowie die Fläche des Hochtals. Um 1900 wurde dieses Gebiet ins Inventar der Flachmoore und Gletschervorfelder von nationaler Bedeutung aufgenommen.
Nach dem Mittag folgen wir dem Wanderweg neben dem tosenden Flembach abwärts nach Chrischarolas zurück. Die Bewölkung wird immer dichter und erste Regentropfen machen sich bemerkbar, sodass bei Chrischarolas die Regenmontur heute zum zweiten Mal angezogen wird. Eigentlich wäre geplant, von hier zur Bergstation Burleun hochzuwandern und bequem mit dem Sessellift ins Tal zu schweben. Wegen des aufkommenden Regen und die auf der Wetteranimation dunkelblau gezeichnete Regenfront beschliessen wir, den direkten Weg ins Tal zu nehmen, jedoch diesmal auf der anderen Seite des Flembaches. Es zeigt sich, dass dies eine weise Entscheidung gewesen ist.
Aufgrund der abgekürzten Routenänderung verbleibt uns nun in Brigels mehr als genügend Zeit, um gemütlich im Café bei inzwischen strömenden Regen zu verweilen.
Die ÖV bringt uns ohne Zwischenfälle sicher nach Hause. Herzlichen Dank an alle Teilnehmer für die liebenswürdige Gesellschaft.
Die Schreiberin
Irene Modena