- Tag – Anreise und Aufstieg zur Cabane de Prafleuri (2.657 m)
Müde, aber voller Vorfreude starteten wir (Peter, Dagmar und Sophie) um 5:46 Uhr am Bahnhof Pfungen unsere Reise ins Wallis. Nach einer entspannten Zugfahrt bis Sion trafen wir uns dort mit unserem Tourenleiter Johannes. Gemeinsam setzten wir die Fahrt mit dem Postauto fort und erreichten gegen 10 Uhr das Bergdorf Pralong im Val d’Hérémence.
Der eigentliche Aufstieg zur Cabane de Prafleuri beginnt an der Staumauer des Lac de Dix. Durch einen Felssturz im Juli war die Zufahrt jedoch gesperrt, sodass uns gleich zu Beginn eine längere Etappe mit zusätzlichen Höhenmetern erwartete. Der bestens markierte Weg (anfangs gelb, später rot-weiß) führte uns zuerst durch einen kühlen, schattigen Wald, dann über blühende Bergwiesen zur Alpe Allève und schließlich über leichtes Geröll hinauf zur Hütte. In gleichmäßigem, gemütlichem Tempo überwanden wir rund 1.100 Höhenmeter.
Das Wetter meinte es gut mit uns: leichte Wolken, angenehme Temperaturen und kein Regen, also ideale Bedingungen für den Aufstieg. In der Hütte erwartete uns eine erfreuliche Überraschung: ein Viererzimmer ganz für uns allein. Nach einer wohlverdienten Kaffee- und Kuchenpause unternahm ein Teil der Gruppe noch einen kurzen Kraxelausflug in den verblockten Hang unterhalb der Hütte, während der Rest sich erholte. Der Abend wurde mit Tischkicker und Kartenspielen mit Aussicht auf eine Steinbockherde verbracht. Peter brachte uns „Nicht-Schweizern“ das Jassen bei, nach ein paar Runden Spielen gingen wir alle recht früh ins Bett.
Die Wetterprognose für die kommenden Tage machte eine Planänderung nötig: Für den nächsten Morgen war eine Gewitterfront mit Schneefall angekündigt. Johannes verschob daher die Besteigung der Rosablanche um einen Tag, um die anschließende Schönwetterphase optimal zu nutzen. Statt wie ursprünglich geplant zwei Nächte in der Cabane de Prafleuri zu verbringen, verlängerten wir den Aufenthalt um einen Tag und legten die letzten beiden Tourentage zu einer Etappe zusammen - eine Entscheidung, die sich als goldrichtig erweisen sollte.
- Tag – Gewitterfront und Techniktraining
Wie vorhergesagt begann der Tag mit Regen und Schneefall in den höheren Lagen. Wir ließen den Morgen ganz gemütlich angehen, vertrieben uns die Zeit mit Kartenspielen und warteten, bis die Front durchgezogen war.
Am Mittag brachen wir zu einer Erkundungstour in Richtung Rosablanche auf, um am Folgetag den Weg in der Dunkelheit problemlos zu finden. Am Gletscher angekommen nutzten wir die Gelegenheit, unsere Steigeisen einzustellen und das Gehen damit zu üben. Abgerundet wurde der Tag durch eine lehrreiche Trainingseinheit zur Spaltenbergung, sowohl mit dem Mannschaftszug als auch mit der „Losen Rolle“ bzw. dem „Österreicher Flaschenzug“.
- Tag – Hochtour auf die Rosablanche (3.336 m)
Nach einer kurzen Nacht klingelte um 3:45 Uhr der Wecker. Um kurz vor 5 Uhr starteten wir bei sternenklarem Himmel die Tour und stiegen zunächst über Geröll in Richtung Gletscher auf. Kurz vor Erreichen des Gletschers erlebten wir einen besonderen Moment: Der Sonnenaufgang tauchte die umliegenden Gipfel in ein rosa-orangenes Licht und der Gletscher der Rosablanche leuchtete in zarten Weiß- und Rosatönen, danach war uns allen die Herkunft des Namens „Rosablanche“ klar.
Der Gletscher zeigte sich sehr spaltenarm und wenig steil, also ideal als Einstieg in die Hochtouren. Am Grat erwartete uns ein kurzes, leichtes Blockgelände, das wir alle gut meisterten. Nach ca. 700 hm standen wir gegen 8:30 Uhr glücklich auf dem Gipfel und genossen die grandiose Aussicht, während Johannes uns die umliegenden Berge erklärte. Trotz ihrer vergleichsweise geringen Höhe überragt die Rosablanche viele umliegenden Gipfel, sodass man ein traumhaftes Panorama hat.
Der Abstieg zur Hütte verlief problemlos, gegen 11 Uhr machten wir es uns im Lager bzw. in den Liegestühlen vor der Hütte bequem, um etwas Schlaf nachzuholen. Leider musste Dagmar an diesem Tag schon ins Tal absteigen, für sie standen die 1100hm vom ersten Tag noch im Abstieg an.
Am Nachmittag zog es die noch nicht ausgelasteten unter uns nochmal nach draußen. In der Nähe der Hütte fanden wir eine schöne Klettermöglichkeit, die zu unserer Überraschung sogar mit einzelnen Bohrhaken versehen war. Johannes ergänzte die Sicherung mit Bandschlingen, sodass wir die Route komfortabel im Toprope klettern konnten. Dabei gab er viele wertvolle Tipps, die für das zukünftige Klettern am Fels sicherlich sehr nützlich sein werden.
- Tag – Übergang zur Cabane de Dix (2928m)
Die Etappe zur Cabane de Dix war lang, aber technisch unschwierig: Rund 11 Kilometer mit etwa 800 Höhenmetern im Aufstieg lagen vor uns. Von der Cabane de Prafleuri aus stiegen wir zunächst zum Col de Roux (2803m) auf, von dem wir eine herrliche Aussicht auf den tiefblauen Lac de Dix hatten. Anschließend führte uns der Weg hinunter zum Stausee und weiter auf einem breiten, ebenen Pfad entlang seines Ufers, stets begleitet vom Pfeifen der Murmeltiere und vorbei an grasenden Walliser Kühen.
Am anderen Ende des Stausees begann der anspruchsvollere Teil des Tages: der lange Anstieg zum Pas du Chat. Kurz vor der Hütte legten wir noch einen kleinen Abstecher zum Tête Noire (2980m) ein, bevor wir schließlich die Cabane de Dix erreichten.
Dort erwartete uns ein kleines Highlight: die „Panorama-Dusche“ mit Blick auf die faszinierende Gletscherlandschaft und angenehm lauwarmem Wasser – vorausgesetzt, der Vorgänger hatte den Wassertank nicht gerade leer geduscht. Anschließend machten wir es uns im geräumigen Zelt auf der Sonnenterrasse bequem, das sich dank der Sonneneinstrahlung angenehm aufgewärmt hatte, und ließen den Nachmittag entspannt ausklingen.
Am Abend brachen wir zu zweit noch zu einer kurzen Erkundungstour in Richtung La Luette auf, bevor wir früh ins Bett gingen, der Wecker sollte am nächsten Morgen wieder sehr früh klingeln.
Tag 5 – La Luette (3548m) und Abstieg nach Arolla (2000m)
Um 3:45 Uhr klingelte der Wecker und nach einem kurzen Frühstück brachen wir wiederum um 4:53 Uhr bei sternenklarem Himmel zu unserem zweiten Gipfelziel auf. Der Sonnenaufgang auf über 3000 Metern Höhe war einfach traumhaft.
Die Tour führte uns über rund 650 Höhenmeter. Der Gletscher ist zwar etwas spaltenreicher als bei der Rosablanche, war aber dank traumhafter Bedingungen sehr gut begehbar. Zunächst folgten wir ein Stück dem Hüttenweg, bevor wir über eine Moräne zum Gletscherrand gelangten. Die letzten 100 Höhenmeter führten über einen leicht exponierten, jedoch gut begehbaren Grat zum Gipfel auf 3548m, den wir gegen 8 Uhr glücklich erreichten.
Zurück an der Hütte genossen wir alle ein wohlverdientes, erfrischendes Panache und eine kleine Stärkung, bevor wir die „zweite Etappe“ des Tages in Angriff nahmen: den Abstieg nach Arolla.
Wegen Felsstürzen und Steinschlaggefahr ist der ursprüngliche Weg nach Arolla nicht mehr passierbar. Stattdessen mussten wir über den Col de Riedmatten gehen, was zusätzliche Höhenmeter bedeutete.
Von der Hütte aus stiegen wir zunächst hinunter an den Fuß des Glacier de Cheilon, durchquerten eine besondere Landschaft mit Flussläufen und Kiesbänken des zurückgezogenen Gletschers. Anschließend folgte ein schmaler, teils steiler, aber sehr schön angelegter rot-weiß markierter Pfad hinauf zum Col de Riedmatten, der deutlich stärker frequentiert war als die Wege der Vortage.
Von dort aus ging es noch etwa 1000 Höhenmeter bergab nach Arolla. Der Weg war technisch nicht schwierig, aber mit knapp 10 Kilometern zog sich der Abstieg etwas in die Länge.
Leider fiel das eigentlich geplante gemeinsame Abschluss-Bier aus, da Peters Bus nur fünf Minuten nach unserer Ankunft in Arolla abfuhr. Der Rest der Gruppe blieb vor Ort, um sich dem zweiten Teil der Hochtourentage mit der Besteigung der Pigne d’Arolla anzuschließen.
An dieser Stelle möchte ich unserem Tourenleiter Johannes noch einmal herzlich danken: Dank seiner Kompetenz, Geduld und seines großen Engagements wurden die Hochtourentage für uns zu einem unvergesslichen Erlebnis. Wir durften eine wunderschöne und lehrreiche Zeit mit tollen Touren und vielen besonderen Momenten bei traumhaften Bedingungen in den Walliser Alpen erleben.
Sophie Müller