Die Walliser Alpen waren das Ziel gleich zweier Hochtourentage in diesem Jahr. Und die zweite dieser beiden Touren sollte uns auf die Pigne d’Arolla bringen. Als Bestandteil der Haute Route ist die Pigne d’Arolla sicher weithin bekannt und ein begehrtes Tourenziel, sommers wie winters, auch ohne die 4000er Marke zu erreichen. Allerdings ist sie mit einer Höhe von 3‘787m eben auch nicht gerade klein und schon eine stattliche Hochtour.
Einige aus unserer Gruppe kamen schon am Vortag von der Cabane des Dix und übernachteten in Arolla. Der Rest reiste am Mittwoch den 06/08/2025 in aller Frühe aus Pfungen und Zürich an. Der Weg nach Arolla ist weit, die Anreise entsprechend lang. Aber alle waren voller Vorfreude auf die Tour. Die Gruppe war damit komplett: Dagmar, Daniel, Irene, Johannes, Nils, René und Sophie machten sich an den langen Aufstieg zur Cabane des Vignettes. Rund 1150m Höhenmeter müssen dabei bewältigt werden, da wurde uns kein Höhenmeter geschenkt. Aber wir hatten viel Zeit, das Wetter war trocken, ruhig und stabil und der Blick in die Bergwelt ein guter Einstieg in die Tour.
Oben an der Cabane des Vignettes konnten wir dann zum ersten Mal einen Blick in die umliegende Bergwelt werfen. Die Hütte hat einen Logenplatz inmitten der Gletscherwelt der Walliser Alpen. Der Blick auf die L’Evêque und den Otemmagletscher ist atemberaubend schön und spektakulär. Und wie besonders ist es, dass man eigentlich schon am Ende der Schweiz angekommen ist und sich dahinter noch einmal eine völlig fremde Welt auftut. Hohe 3000er, deren Namen weitgehend unbekannt sind (und die Aussprache dieser Namen rätselhaft); in anderen Gebirgsgruppen sicher ein Highlight, im Wallis nur Hintergrundpanorama.
Am nächsten Morgen wurden wir von einem klaren Himmel begrüsst. Was sich am Vortag schon abzeichnete, wurde Wirklichkeit: Wahrscheinlich hatten wir den klarsten, sonnigsten und vielleicht auch den wärmsten Tag des Jahres erwischt. An der Hütte wehte es uns noch etwas Wind um die Nase, aber für den gesamten Aufstieg zur Pigne d’Arolla gab es Sonne pur, kein Lüftchen und phänomale Ausblicke Richtung Dent Blanche und Matterhorn. Der Aufstieg zur Pigne erfolgt grösstenteils über Gletscher und dank einer Schneedecke verlief der Aufstieg für uns problemlos. Der Wetterbericht war ausgesprochen gut und so hatten wir keinen Zeitdruck beim Aufstieg.
Oben am Gipfel konnte die Pigne d’Arolla zeigen, was sie zu bieten hat. Rundherum 4000er und 3000er, wohin das Auge blickt: Von den Barre des Ecrins, über Paradiso, Mont Blanc und Grand Combin hin zu (fast) allen Bergen der Walliser Alpen. Vor uns die gesamte Kette der Berner Alpen, der ganzen Länge nach, und hinter uns Italien. Im Prinzip den grösseren Teil aller 4000er, die die Alpen so zu bieten haben. Und dank der klaren Luft gab es quasi unbegrenzte Sicht. Das wird uns wohl allen noch lange in guter Erinnerung bleiben. Wirklich lange konnten wir uns am Gipfel aber nicht aufhalten, da es oben ordentlich Wind hatte. Aber schon wenige Meter unterhalb des Gipfels wartete ein sonnengefluteter und windstiller Pausenplatz auf uns, mit Blick auf Weisshorn und Matterhorn.
Gegen Mittag waren wir zurück auf der Hütte. Der lange Hüttenaufstieg vom Vortag hatte natürlich den Vorteil, dass zur Tour nicht mehr allzu viele Höhenmeter übrig waren. Die 650m Auf- und Abstieg haben wir routiniert hinter uns gebracht. Für den Rest des Tages konnten wir die Hüttenterasse geniessen es uns gut gehen lassen. Das Wetter und die Temperaturen erlaubten Faulenzen auf der Terrasse und liessen uns bis in den späten Nachmittag im T-Shirt draussen sitzen. Das hat nach dieser Tour allen gut getan. Am Nachmittag gab es von Johannes noch ein paar Infos und Übungen zur Spaltenbergung.
Am Freitag ging es dann schon wieder an den Abstieg nach Arolla; derselbe Weg retour wie zwei Tage vorher hinauf. Zuerst wieder ein Stück über den Glacier de Pièce und später auf Wanderwegen hinunter ins Tal. Das Ganze wieder bei allerbestem Wetter. Und so konnten wir die Tour unten im Ort, draussen auf der Terrasse bei Kaffee und Eis ausklingen lassen, bevor es dann um die Mittagszeit an die lange Rückreise ging, wieder einmal diagonal durch die Schweiz.
Die Tour war rundherum ein voller Erfolg, und das Wetter meinte es wirklich gut mit uns (auch wenn es einigen schon fast ein bisschen zu warm wurde). Ein grosses Dankeschön geht an Johannes, für die Organisation dieser Tour, und das sichere Hinauf- und Herabführen.
Daniel Hinrichs